Henripal

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Von 1962 bis 1983 wurden am Schlosserberg in Seewalchen Kunststoffplatten hergestellt.

Heinrich Hemetsberger (*1923) absolvierte in Lenzing eine Lehre als Laborant. Nach seinem Kriegsdienst 1945 fand er in dieser Zellwollefabrik eine Anstellung als Werkmeister. 1953 ging er nach Deutschland und war dort in Säckingen am Rhein als Instruktor für die Inbetriebnahme von Viskoseanlagen im In- und Ausland tätig. Unter anderem hat er auch die Austrophan1) - Anlage der Zellwolle Lenzing AG in Betrieb genommen.
Nach fünf Jahren wechselte Hemetsberger zu einem Betrieb für Kunststofferzeugung in Leutkirch im Allgäu.
Dort reifte für ihn der Entschluss, sich in dieser Branche selbständig zu machen. In seinem Garten errichtete er einen kleinen Kunststofferzeugungsbetrieb.
Am 30.Juni 1962 begann Hemetsberger mit der Herstellung von Schichtstoffplatten, die er unter dem Markennamen Henripal vertrieb. Diese Platten waren schon unter dem Namen „Resopal“ bekannt.

Heinrich Hemetsberger auf dem Henripal-Messestand in Salzburg 1983.

Eine Platte, bestehend aus mehreren in Phenolharz getränkten Papierbahnen, wurde unter Hitze und hohem Druck zu einer homogenen Platte gepresst. Die Oberfläche trug das Dekor und wurde mit Melaminharz getränkt. Diese Platten fanden Verwendung für Küchenplatten aber auch für Bilder, Schilder, Furniere oder Fotos.
Die Größe der Maschinen und des Betriebes überhaupt war nicht für die Erzeugung der großen Platten, wie man sie für Möbel verwendet, ausgerichtet. Vielmehr wandte Hemetsberger diese Technik für die Herstellung von Schildern in Gastronomie und Werbung an. Diese stellte er mit einem kleinen Team von 3 bis 4 Mitarbeitern her.
Das Neue an Henripal war, dass Hemetsberger die Oberfläche in verschiedenen Strukturen – nicht mehr nur matt oder glänzend – fabrizierte. Neben den Schildern – die Schriftblätter ließ er in einer Druckerei herstellen – gehörte auch die Gestaltung besonderer Dekore und das Eindrucken von Bildern zu seinen Spezialitäten.
Über einen tüchtigen Vertreter aus Wels verkaufte er seine Produkte in ganz Österreich, ein Großabnehmer waren die C + C Großmärkte, welche die Platten für die Gastronomie vertrieben.

Die Produktionsstätte von Henripal am Schlosserberg.

Die Hinweistafeln, Wegweiser, Verbotsschilder, Aushänge in der Gastronomie oder Türbezeichnungen für Private und Gasthäuser sowie für den Tourismus, die Hemetsberger produzierte, fanden reißenden Absatz. Seine Tafeln waren besonders haltbar und konnten zum Teil problemlos beschriftet werden. Für die Feuerwehren stellte er u.a. wasserfeste Landkarten her.
Die Ortsbeschilderung in den 1980er Jahren von Seewalchen und Schörfling wurden von Henripal erzeugt. Ein Produkt, das er auch in anderen Bundesländern mit Erfolg vertrieb.
Bald interessierten sich auch andere Firmen für diese Technik, Bilder einzudrucken.
Am 31. Dezember 1983 schloss Hemetsberger altersbedingt seinen Betrieb. Das Grundstück Steindorfer Straße 21 wurde verkauft, heute steht dort ein Wohnhaus.

  • Quellen:
    Heinrich Hemetsberger, Seewalchen
    wikipedia
  • Anmerkung:1) Austrophan war ein aus Viskose erzeugtes Zellglas. Diese glasklare, wetterfeste Verpackungsfolie wurde von Ende der 50er Jahre bis Anfang der 70er Jahre in Lenzing hergestellt. Im Jahr 1966 betrug die Produktion rund 5000 t Austrophan.