Kapelle bei Genstetten

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Die Kapelle bei Genstetten befindet sich an der Gamperner Bezirksstraße an der Abbiegung nach Genstetten. Die Kapelle steht an der Gemeindegrenze von Seewalchen am Attersee zu Gampern.

Besitzer

Familie Scheibl

Beschreibung

Es ist eine viereckige, gemauerte Kapelle mit einem halbrunden Anbau. Sie hat ein grünes Blechdach ohne Kreuz und ein Gewölbe im gotischen Stil. Vor dem mit Kopfsteinen gepflasterten Eingang stehen zwei Kastanien, die stark zurückgenommen wurden und zirka fünf Meter hoch sind. Man betritt die Kapelle durch einen offenen Spitzbogeneingang. Über dem Eingang befindet sich ein Kreuz, vier Pfeile zeigen in die vier Ecken des Kreuzzentrums. In der Kapelle befinden sich vier kleine Stühle.

Der Altar wird durch ein Stahlgitter vom Besucherraum abgetrennt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Sammelbüchse. Das Gitter enthält die Jahreszahl 1880 und die Buchstaben MSTT. Darüber befindet sich ein Kreis, in den sechs Herzen eingearbeitet sind, die wiederum einen Kreis umschließen. Links und rechts vom äußeren Kreis sind Blumenornamente. Geschickt in das Altar-Ensemble eingearbeitet wurde ein kleines kreisförmiges Fenster. Die weiß ausgemalte Kapelle wird von drei Blumenstöcken geschmückt, die auf dem Steinplattenfußboden stehen. Zu sehen ist auch noch eine Marienstatue mit einem blauen Gürtel, einem weißen Gewand, einem violetten Umhang und einem grünen Kleid.

Früher wurde hier jeden Samstag der Rosenkranz gebetet, seit die Straße ganz an die Kapelle herangerückt ist, sind wegen der Gefährdung der Gläubigen durch den Verkehr keine Veranstaltungen mehr möglich. Hin und wieder statten Verkehrsteilnehmer der Kapelle einen unfreiwilligen Besuch ab, indem sie gegen selbige fahren.

Die Kapelle, die von der Familie Scheibl erhalten wird, wurde 1995 letztmalig renoviert, Ausführung und Planung der Arbeiten oblagen dem Herrn Johann Bauernfeind aus Steindorf.

Errichtungsgrund

Kommet, ihr Kinderlein, kommet!
Die Vorbesitzer des Scheibl-Anwesens waren noch immer kinderlos geblieben. In ihrer Verzweiflung schlossen die armen Eheleute einen Handel mit dem Herrn ab. Kind gegen Kapelle lautete die Vereinbarung. Und beide Seiten erfüllten ihren Teil des Vertrages. Dem Ehepaar wurde eine Tochter geschenkt, dem Herrn eine Kapelle. Die Tochter wuchs heran, heiratete weg, und die kleine Familie verkaufte das Anwesen an den Schwiegervater von Maria Scheibl. Nur der Herr wurde nicht informiert vom Vertragsende. Er erfüllte seinen Vertrag wieder und immer wieder. Herr Scheibl senior bekam mit drei Ehefrauen zwölf Kinder.

Quelle

  • Helga Kern, Franz Roither: Kleindenkmäler in Seewalchen am Attersee, Eigenverlag 2006/2009