Hannes Rohringer

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Hannes Rohringer

Mag. art. Hannes Rohringer, geboren 1956, lebt und arbeitet als Architekt, Designer und Künstler in Seewalchen am Attersee und Wien. Er beschäftigt sich mit lebendiger Architektur, ikonenhaftem Design und bewegender Kunst.
Hannes ist der jüngste Sohn von Heinrich und Cäcilia Rohringer, die in der Hauptstraße in Seewalchen die bekannte Konditorei Rohringer betrieben.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Ausbildung und Studium

In der Fachschule in Hallstatt von 1971-75 erlernte er Grundsätzliches für Raumgestaltung, Bildhauerei und Innenarchitektur.
Mit seiner Tätigkeit in einem Architekturbüro schuf er die finanzielle Basis für seine künstlerische Ausbildung. Das Jahr 1989 war der Wendepunkt in seinem Leben: Er kündigte, eröffnete ein Atelier („artium“ – Innenarchitektur/Design/Malerei) und bewarb sich um einen Studienplatz an der Akademie für angewandte Kunst. Ein mutiger Entschluss, wenn man bedenkt, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits eine Familie hatte.

Das Atelier in Seewalchen.

Er bestand die Aufnahmeprüfung (einer von sieben aus 100 Kandidaten) und besuchte die Meisterklasse für Design bei Prof. Matteo Thun. Maßgeblich leitete ihn aber die Aussage von Prof. Christian Reeder, der betonte, nicht nur die Meisterklasse, vielmehr der vielseitige Erwerb von Wissen sollte im Vordergrund stehen.
Architektur, Design und Kunst gehören für den „Artworker“ Rohringer zusammen. Neben der Ausbildung in der Meisterklasse studierte er noch zwei Jahre bei Prof. Wolfgang Hutter Malerei und nahm an einer Reihe von Workshops in vielen Ländern Europas teil.

Stationen

Schon in seinen frühen Arbeiten ging er den Weg von der Malerei und Zeichnung zur Collage[1] und von der Collage zur Assemblage[2]. Die wesentlichen Bildinformationen werden durch Maltechniken und Einbau von Collagematerialien auf die wesentlichen Bildinformationen reduziert. Arbeitsweise und Techniken seiner Arbeiten umfassen verschiedenste Materialien. Neben Acrylfarben oder Holz kommen auch Gegenstände des täglichen Lebens oder Fotos in seine Werke.
Seine Themen sind der Mensch, der überMENSCH (der Mensch der sich zu wichtig nimmt) und MENSCHENREBEN (Überwucherung). Als RESTLVERWERTER kommt er zu einer Ästhetisierung von Reststoffen. So wird der wertlose Abfall zu einem wertvollen Bildwerk.
Bei seinen Architekturprojekten ist er vor allem der „Formgeber“. Er sieht sich als künstlerischer Oberleiter und nicht als Bautechniker. Nach seinen Ideen entstanden u. a. der Umbau der Kaethe Zwach Galerie in Schörfling oder das Seminar- und Schulungszentrum für Laufen-Duravit in Wilhelmsburg (NÖ). Ein wichtiger Schwerpunkt sind seine Arbeiten als Innenarchitekt. Für sein Schaffen als Designer wurde er mehrfach ausgezeichnet:
So war er vier Jahre en suite im Internationalen Designjahrbuch vertreten; ausgewählt von so prominenten Formgebern wie Tom Dixon, Michele de Lucchi, Marcel Wanders und Philippe Starck.
Das Zusammenwirken von Architektur, Design und Malerei zieht sich durch sein ganzes bisheriges Schaffen. „Die Überwindung der Sparteninteressen kann nur über die Einheit der Künste erfolgen“ ist eines seiner Leitmotive.

Kunst hinter Schloss und ohne Riegel

Katalog zur Ausstellung 1990

1990 trat Rohringer erstmals in den Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit. Der Auslöser war seine Beziehung zum Schloss Kammer. Er verband dieses Schloss immer mit Kultur – die Schlosskonzerte in Kammer gehörten Zeit seines Lebens zum sommerlichen Fixpunkt am Attersee. Rohringer sah aber auch den baulichen Niedergang und die aus damaliger Sicht geringen Möglichkeiten, das Schloss nachhaltig zu sanieren. Mit der Idee, dass die Kultur (und nicht nur die Musik) verbunden mit der Tradition der alten Mauern ein Elixier für die Zukunft sein kann, entschloss er sich zu einer spektakulären Ausstellung. So wie er Architektur, Design, Malerei und Objekt als Ganzes sieht, sollte auch das Gebäude Teil einer Ausstellung werden.
Mit seinem Freund Josef Baier (*1951 in Salzburg) begann er nun in zwei Monaten eine eindrucksvolle Schau aufzubauen. 1 ½ Tonnen Eisen wurden gebracht und ein 24 m hoher Hebekran unterstützte eine Konstruktion, die über das Dach des Neuschlosses in den Hof und dann zum Rittersaal führte.
Zur Eröffnung kamen 450 Leute. Im Haus zeigten die beiden Künstler unter dem Titel „Kunst hinter Schloss und ohne Riegel“ ihre Skulpturen und Bilder. Die Ausstellung lief dann ein halbes Jahr. Die Kosten waren enorm, die Ausgaben von 650.000 Schilling konnten nur zum Teil durch Sponsoren aufgebracht werden.
Die Rechnung ist aber aufgegangen. Zum einen erkannten die maßgeblichen Landespolitiker, dass hier ein erhaltenswertes Schloss steht, die künftige Besitzerin zeigte Interesse und die Künstler erregten beachtliche Aufmerksamkeit.
Heute stellt Rohringer in vielen Galerien in Österreich aus, darüber hinaus besteht europaweit Interesse.

Vorbilder

Gefragt nach seinen künstlerischen Vorbildern fallen ihm spontan drei ein. Alle waren vielfältig in verschiedenen Kunstformen tätig.
Da ist der Italiener Michele de Lucchi (* 1951 in Ferrara). „Er ist ein Formgeber und Gestalter wie ich. Er ist Künstler, Artworker und Designer. Seine Werke begeistern mich immer wieder, wie zuletzt der Pavillon auf der Weltausstellung in Mailand 2015“, erzählt Rohringer.
Zum Amerikaner Robert Rauschenberg (1925 – 2008) kam Rohringer auf eine bemerkenswerte Weise. Rohringer hatte sich über Jahre bemüht, eine eigene, persönliche Bildsprache zu finden. Und als er einigermaßen zufrieden war, fand er einen Zeitungsartikel mit einem Rauschenberg-Bild. Da sah er, dass Rauschenberg seit Jahren in einem ziemlich ähnlichen Stil (Assemblagen) arbeitete. Seit dieser Zeit ist Rauschenbergs Einfluss auf Rohringer immer wieder zu merken.
Und schließlich Leonardo da Vinci (1452-1519). Rohringer: „Er wusste, wie´s geht“.

Träume

Es begann auf einer Weinverkostung in Gmunden. Schon auf dem Nachhause-Weg, blieb Rohringer noch bei einem kleinen Weinstand hängen. Dieser hatte ein großes Angebot, die Präsentation war aber völlig unzufriedenstellend. Er bestellte ein Glas und musste feststellen, dass dieser Wein der eindeutig Beste war, den er heute verkostet hatte.
So kamen Rohringer und der Weinbauer Gerhard Pimpel aus Göttlesbrunn ins Gespräch. Pimpel erzählte, dass er das Weingut erst seit zwei Jahren besitze und sich über Präsentation noch keine Gedanken gemacht habe, Rohringer stellte sich als Künstler vor und nach längerem Hin und Her wurde vereinbart, dass sich Rohringer um das Design des Weingutes kümmern werde.
Der erste Auftritt in der neuen Erscheinungsform war in der Wiener Urania. Dort wurden die „Top 10“ der Region Carnuntum vorgestellt, die Pimpel-Präsentation wurde viel beachtet. Als ein Pimpel-Wein bei der Blind-Verkostung auch noch den ersten Preis bekam, waren Pimpel und Rohringer die Stars des Abends.
Pimpel präsentierte im April 2006 in der Kaethe Zwach Galerie das Weissweincuvèe „Rosenwind“. Der Rosenwind am Attersee stand Pate bei der Namensgebung für den Wein, dessen Trauben in den Rieden Rosenberg (!) wachsen. Das Etikett wurde natürlich von Rohringer gestaltet.
Seither arbeiten Gerhard Pimpel und Hannes Rohringer eng zusammen. Für Rohringer erfüllte sich ein kleiner Traum. Er wollte schon immer den Auftritt eines Weingutes gestalten. Ein anderer Traum ging nicht in Erfüllung. Das Strandbad in Seewalchen war ihm in seiner Kindheit und Jugend ein zweites Zuhause. Es war perfekt in Ausstattung und Angebot. Es gab die Kabinen mit den Terrassen, das Buffet, den kleinen Sportplatz, eine große Sandgrube und natürlich den weithin sichtbaren Sprungturm. Nicht umsonst wurde es in den Anfangsjahren als schönstes Seebad Österreichs bezeichnet.
Als dann in den 1990er Jahren die Umgestaltung des Bades anstand, hatte sich auch Rohringer Gedanken gemacht und diese mit einem Gemeinderat diskutiert. Seine Ideen wurden aber nicht weiter verfolgt. Rohringers Traum wäre ein Bad mit klassischem Angebot mit hoher kultureller Qualität. Seine Ideen wären neu und mutig gewesen, man entschied sich aber für ein Bad, wie es viele in Österreich gibt. Der Bau eines unverwechselbaren Bades blieb ein unerfüllter Traum.

Stadt, Land

Auf die Frage, ob es für einen Künstler nicht einfacher wäre, in einer großen Stadt zu leben, meint Rohringer: „Natürlich ist es schwierig, am Land präsent zu sein und sich bemerkbar zu machen. In der Stadt wäre vieles einfacher und ich suche auch immer wieder den Kontakt zur Urbanität in Wien. Aber hier bin zufrieden und glücklich. Ich wohne hier an einem der schönsten Plätze, die man sich vorstellen kann.“
Wer einmal einen Blick aus seinem Atelier in Seewalchen - hoch über dem Attersee – geworfen hat, kann das nachvollziehen.

Galerie

Anmerkungen

  1. Eine Collage ist ein Kunstwerk, in dem verschiedene Elemente auf eine Unterlage aufgeklebt werden.
  2. Assemblagen sind Collagen mit plastischen Objekten, die auf einer Platte befestigt sind. So entstehen Kunstwerke mit reliefartiger Oberfläche.

Quellen und Weblinks