Kammerer Hansl: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Bahnlinie Vöcklabruck-Kammer wird von der Bevölkerung allgemein als „Kammerer Hansl“ bezeichnet.
[[Bild:Kamm_B_08a_4000_1882_BCh.jpg|thumb|right|Beginn der Chronik des Bahnhofes Kammer Schörfling, 1882.]]
Die '''Bahnlinie Vöcklabruck - Kammer-Schörfling''' wird von der Bevölkerung allgemein als '''Kammerer Hansl''' bezeichnet.


== Daten ==
== Daten ==
Länge 10,9 km, Spurweite 1435 mm, größte Steigung: 21,9 ‰, kleinster Bogenradius: 150 m, größte Radsatzlast: 22,5 t, Meterlast: 6,4 t.
Länge 10,9 km, Spurweite 1435 mm, größte Steigung: 21,9 ‰, kleinster Bogenradius: 150 m, größte Radsatzlast: 22,5 t, Meterlast: 6,4 t.


Schon bald nach der Eröffnung der k.k. priv. Kaiserin-Elisabeth-Bahn von Wien nach Salzburg am 12.8.1860 bestand die Idee, zwischen der Westbahn und dem Attersee eine Bahnverbindung zu errichten. Besonders tatkräftig setzte sich die Familie Horvath, Schloss Kammer, ein.
Schon bald nach der Eröffnung der k.k. priv. Kaiserin-Elisabeth-Bahn von Wien nach Salzburg am 12. August 1860 bestand die Idee, zwischen der Westbahn und dem [[Attersee (See)|Attersee]] eine Bahnverbindung zu errichten. Besonders tatkräftig setzte sich die [[Ida Horváth-Khevenhüller|Familie Horvath]], [[Schloss Kammer]], ein.


== Planung und Bau ==
== Planung und Bau ==
Um 1870 projektierte ein Konsortium, dem die Stadt Ried, der Bürgermeister von Ischl und die Traunthaler-Kohlengewerkschaft angehörten, eine Salzkammergutbahn von Ried über Timelkam-Seewalchen-KammerIschl, um die die Kohlenflöze des Hausrucks mit den Ebenseer Salinen zu verbinden. Dadurch sollte der Kohleabsatz ausgeweitet, die Salz und Holzverfrachtung erleichtert und der Fremdenverkehr gefördert werden. Die Linienführung wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, die Trassenführung wurde über Attnang und Gmunden angeordnet.
[[Bild:Kamm_133_Bahnh_JS.jpg|thumb|right|Der alte Bahnhof Kammer Schörfling.]]
Die I. Concessionierte –Attersee-Dampfschiffahrtsgesellschaft erlangte am 30.3.1880 die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine „Lokomotiv-Eisenbahn” von Kammer zum Anschluss an die Kaiserin-Elisabeth-Bahn.
Um 1870 gab es die Idee, eine Salzkammergutbahn von Ried über Timelkam-Seewalchen-Kammer-Ischl zu bauen. Die Kohlenflöze des Hausrucks sollten mit den Ebenseer Salinen verbunden werden. Ziel war, den Kohleabsatz auszuweiten, Salz- und Holzverfrachtung zu erleichtern und den Fremdenverkehr zu fördern. Die Linienführung wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, die Trassenführung wurde über Attnang und Gmunden angeordnet.


Gräfin Ida gewann für das Bauvorhaben den Ingenieur und Baumeister '''Miroslav Ritter von Keißler''', dem Sohn des Erbauers der Westbahn, Karl Ritter von Keißler (1808-1879).
Die [[Attersee-Schifffahrt|I. Concessionierte–Attersee-Dampfschiffahrtsgesellschaft]] erlangte am 30. März 1880 die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine „Lokomotiv-Eisenbahn” von Kammer zum Anschluss an die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn).
Keißler erhielt am 1.8.1881 die Concession zur Errichtung der k.k. priv. Lokalbahn Vöcklabruck-Kammer. Im Sommer 1881 wurde mit dem Bau begonnen. Die feierliche Eröffnung der Linie fand am '''30.4.1882''' statt (Sonderfahrt von Wien nach Kammer, Rundfahrt am Attersee, Diner im Hôtel Kammer).


Die Bahn hat eine Länge von 8,6 km, dazu kommen noch 2,3 km der Westbahnstrecke vom Bahnhof Vöcklabruck bis zur Abzweigung in Oberthalheim (km 250.5 xxx oder 254,6) die von der Kammerer Bahn mit benutzt werden. Zur Sicherung der Fahrten wurde in der Abzweigung 1896 ein Stellwerk mit drei Signalmasten errichtet. Allerdings hatte man in die Künste des Weichenstellers nicht allzu viel Vertrauen. Eine Dienstanweisung aus jener Zeit schrieb vor, dass alle Züge des Kammerer Hansls vor dem Abzweigwechsel anzuhalten hätten, worauf sich die Zugmannschaft von der richtigen Stellung der Weichen überzeugen musste. 1902 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Westbahn. Das damals erneuerte Abzweigstellwerk wurde mit den Blockfeldern von der Fahrdienstleitung Vöcklabruck abhängig gemacht.  
Gräfin Ida gewann für das Bauvorhaben den Ingenieur und Baumeister '''Miroslav Ritter von Keißler''', den Sohn des Erbauers der Westbahn, Karl Ritter von Keißler (1808-1879).
 
Keißler erhielt im Sommer 1881 die Concession zur Errichtung der k.k. priv. Lokalbahn Vöcklabruck-Kammer. Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau begonnen. <br />Die feierliche Eröffnung der Linie fand am '''30. April 1882''' statt. Für die Ehrengäste gab es eine Sonderfahrt von Wien nach Kammer, eine Rundfahrt am Attersee und ein Diner im Hotel Kammer.
 
Die Bahn hat eine Länge von 8,6 km, dazu kommen noch 2,3 km der Westbahnstrecke vom Bahnhof Vöcklabruck bis zur Abzweigung in Oberthalheim (km 250.53), die von der Kammerer Bahn mitbenutzt werden. Zur Sicherung der Fahrten wurde in der Abzweigung 1896 ein Stellwerk mit drei Signalmasten errichtet. Allerdings hatte man in die Künste des Weichenstellers nicht allzu viel Vertrauen. Eine Dienstanweisung aus jener Zeit schrieb vor, dass alle Züge des Kammerer Hansls vor dem Abzweigwechsel anzuhalten hätten, worauf sich die Zugmannschaft von der richtigen Stellung der Weichen überzeugen musste. 1902 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Westbahn. Das damals erneuerte Abzweigstellwerk wurde mit den Blockfeldern von der Fahrdienstleitung Vöcklabruck abhängig gemacht.


== Privatbahn - Staatsbahn ==
== Privatbahn - Staatsbahn ==
Die Kammerer Bahn blieb bis zum 1939 im Besitz der Familie Keißler. 1907 nahm der Staat die Lokalbahn in Pacht und zahlte an die Keihsler-Erben jährlich 30.000 Kronen.
[[Bild:Fahrkarte Bahn_JS.JPG|thumb|100px|Alte Fahrkarte vom Bahnhof Kammer Schörfling.]]
Am 1.9.1939 wurde die Bahn dem Staat einverleibt. xxx131)
Die Kammerer Bahn blieb bis zum Jahr 1939 im Besitz der Familie Keißler. 1907 nahm der Staat die Lokalbahn in Pacht und zahlte an die Keißler-Erben jährlich 30.000 Kronen.
 
Am 1. September 1939 wurde die Bahn verstaatlicht.  
 
Der Betrieb wurde von der Kaiserin Elisabeth-Bahn besorgt. Die Linie war vorerst dem k.k. Oberbetriebsamt in Salzburg unterstellt, ab August 1884 war die Eisenbahnbetriebsdirektion Linz zuständig. Ab 1907, dem Jahr der Aufnahme des Heizhausbetriebes in Attnang-Puchheim, erfolgte von dort der Lokeinsatz. Ab 1933 standen Dieseltriebwagen im Einsatz.
Der Betrieb wurde von der Kaiserin Elisabeth-Bahn besorgt. Die Linie war vorerst dem k.k. Oberbetriebsamt in Salzburg unterstellt, ab August 1884 war die Eisenbahnbetriebsdirektion Linz zuständig. Ab 1907, dem Jahr der Aufnahme des Heizhausbetriebes in Attnang-Puchheim, erfolgte von dort der Lokeinsatz. Ab 1933 standen Dieseltriebwagen im Einsatz.
Am 29.Juni 1955 war Elektrifizierung abgeschlossen.
 
Am 29. Juni 1955 war die Elektrifizierung abgeschlossen.


== Haltestellen ==
== Haltestellen ==
1884 wurden weitere Haltestellen in Siebenmühlen (ab 1990 Bezeichnung: „Siebenmühlen-Rosenau“), Pichlwang und beim alten Mauthaus in Timelkam errichtet.
[[Bild:Siebenmuehlen 00091 by HAH.JPG|thumb|Haltestelle Siebenmühlen-Rosenau]]
[[Bild:Kamm_B_43_2013_Rz.JPG|thumb|Bereits Geschichte: Bahnhof Kammer-Schörfling]]
 
1884 wurden weitere Haltestellen in [[Siebenmühlen]] (ab 1990 Bezeichnung: „Siebenmühlen-Rosenau“), Pichlwang und beim alten Mauthaus in Timelkam errichtet.
 
Am 1. Jänner 1903 wurde die Haltestelle Lenzing in Betrieb genommen. Damals war die Höchstgeschwindigkeit mit 34 km/h festgelegt.  
Am 1. Jänner 1903 wurde die Haltestelle Lenzing in Betrieb genommen. Damals war die Höchstgeschwindigkeit mit 34 km/h festgelegt.  
Am 1. Mai 1909 erhielt der Bahnhof den Namen „Kammer-Schörfling”.
Am 1. Mai 1909 erhielt der Bahnhof den Namen „Kammer-Schörfling”.
Der Umbau der Haltestelle Lenzing zum Bahnhof erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Zellwollefabrik ab 1. Oktober 1939.
 
Im Zuge der Elektrifizierung 1955 wurde die Haltestelle Lenzing Ort gebaut.
Am 12. September 1909 kam es zum ersten Unglück auf der Kammerer Bahn. Wegen schlechten Unterbaus entgleiste im Bahnhof Kammer die Lokomotive mit drei Waggons. Etliche Personen kamen zu Schaden. 
 
Der Umbau der Haltestelle Lenzing zum Bahnhof erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Zellwollefabrik ab 1. Oktober 1939. Im Zuge der Elektrifizierung 1955 wurde die Haltestelle Lenzing Ort gebaut.


Ursprünglich war Kammer ein echter Seebahnhof, deren Gleis bis zum Ufer ging, wo man Waren auf das Schiff umladen konnte. Für den Stückgutverkehr wurde 1904 eine kleine Rollbahn errichtet.
Ursprünglich war Kammer ein echter Seebahnhof, deren Gleis bis zum Ufer ging, wo man Waren auf das Schiff umladen konnte. Für den Stückgutverkehr wurde 1904 eine kleine Rollbahn errichtet.


== Fahrplan ==
Am 18. April 2014 fuhr zum letzten Mal ein Zug bis zum alten Bahnhof nach Kammer-Schörfling (beim Lagerhaus). Danach wurde der Bahnhof für immer geschlossen. In den Folgetagen wurden die Oberleitungen von der Agerbrücke bis zum alten Bahnhof entfernt. Im Juni 2014 wurde die neue Haltestelle an der [[Ager]] in Betrieb genommen. Im August 2018 wurden das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnwärterhaus abgerissen.
 
=== Neue Haltestelle Kammer ===
[[Bild:Kamm_B_95b_2014_Rz.jpg|thumb|Juni 2014: der erste Zug rollte in die neue Haltestelle ein.]]
 
Am 6. Februar 2014 wurde in Kammer der Spatenstich zur Errichtung der neuen ÖBB-Haltestelle von Landesrat Reinhold Entholzer und Bgm. Gerhard Gründl durchgeführt.<br/>
Der Bahnhof Kammer wird aufgelassen und abgerissen, eine neue Haltestelle in der Nähe der Agerbrücke wird errichtet. Nun ist die Bahnstecke um 620 m kürzer und durch diese Maßnahme können 2 Eisenbahn-Kreuzungen aufgelassen werden. Insgesamt werden rund 17.000 m² an Liegenschaften frei, die ab 2015 zum Verkauf anstehen.<br/>
Mit einem Kostenvolumen von 4,5 Mio. Euro wurde ein neuer 100 m langer Bahnsteig errichtet, rund 200 m neue Gleise verlegt, ein Haltestellen-Wartebereich gebaut sowie 33 PKW-Parkplätze und 30 überdachte Fahrradplätze geschaffen.<br/>
Am 28. Juni 2014 um 10.50 Uhr rollte der erste Zug in die neue Haltestelle ein. Zahlreiche Besucher kamen zum Festakt, die Eröffnung nahm Landesrat Entholzer vor.
 
== Video: Fahrt von Kammer-Schörfling bis nach Attnang-Puchheim ==
23 Minuten dauert die Fahrt mit dem Kammerer Hansl. Die gesamte Strecke können Sie hier im Video mitfahren.
*[http://www.youtube.com/watch?v=FkiAqmXdx4o Fahrt von Kammer-Schörfling nach Attnang-Puchheim]
 
== Fahrplan in der Geschichte ==
1882 verkehrten auf der Kammerer Bahn täglich 6 Zugpaare:  
1882 verkehrten auf der Kammerer Bahn täglich 6 Zugpaare:  
  ab Kammer:         5.58h 9.00h 11.35h 2.55h 5.05h 8.05h
  ab Kammer:         5.58h 9.00h 11.35h 2.55h 5.05h 8.05h
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Später wurden die Züge bis Attnang-Pucheim und zum Teil bis Schwanenstadt geführt.
Später wurden die Züge bis Attnang-Pucheim und zum Teil bis Schwanenstadt geführt.
Noch in den 1970-Jahren wurde ein reger Personenverkehr (und Güterverkehr) festgestellt. Danach nahm die Bedeutung der Bahnline immer mehr.  
Noch in den 1970-er Jahren wurde ein reger Personenverkehr (und Güterverkehr) festgestellt. Danach nahm die Bedeutung der Bahnline immer mehr ab.  
Im Fahrplan 1990 verkehrten werktags 9 Zugspaare zwischen Attnang und Kammer. Die Fahrzeit betrug ca. 25 Minuten von Attnang und ca. 18 Minuten von Vöcklabruck nach Kammer.  
 
Im Fahrplan 1990 verkehrten werktags neun Zugspaare zwischen Attnang und Kammer. Die Fahrzeit betrug ca. 25 Minuten von Attnang und ca. 18 Minuten von Vöcklabruck nach Kammer.  
 
Der sogenannte „Stundentakt” 1991 (alle Stunde fährt ein Zug) brachte letztlich keinen wirtschaftlichen Erfolg.
Der sogenannte „Stundentakt” 1991 (alle Stunde fährt ein Zug) brachte letztlich keinen wirtschaftlichen Erfolg.
Ab Herbst 2001 verkehrte nur mehr 1 Zugspaar (in Kammer ab 7 Uhr), der sonstige Bedarf wurde durch Busse abgedeckt. Ab 2006 wurde die Zahl wieder erhöht.
Der Personenverkehr auf der Kammerer Bahn ist durch Verträge zwischen Land O.Ö. und den ÖBB bis 2017 gesichert.


[http://www.bahnorama.tv/shop/index.php/id,205,Kammerer_Hansl_VHS Videocasette einer Bahnfahrt mit dem Kammerer Hansl]
Ab Herbst 2001 verkehrte nur mehr ein Zugspaar (in Kammer ab 7 Uhr), der sonstige Bedarf wurde durch Busse abgedeckt. Ab 2006 wurde die Zahl wieder erhöht.
 
2018 verkehrten auf der Kammerer Bahn an Werktagen 9 Zugpaare:
ab Kammer:   6.19h  7.12h  8.39h 10.25h 12.25h 14.25h 16.25h  17.40h  19.25h
ab Vöcklabruck:    5.52h  6.52h  8.09h   9.09h  11.09h 13.24h 15.09h  17.09h  18.09h
 
Der Personenverkehr auf der Kammerer Bahn ist durch Verträge zwischen Land OÖ und den ÖBB bis 2019 gesichert.
 
== Aktueller Fahrplan der ÖBB ==
*[https://www.oebb.at/de/dam/jcr:274bf223-688c-4da6-86af-61cf569c3c2a/kif172_21.pdf Fahrplan Kammer-Vöcklabruck]
 
==Weblinks==
* [http://www.oebb.at ÖBB Österreichische Bundesbahnen]


== Quellen ==
== Quellen ==
* Hager. Die Eisenbahnen im Salzkammergut, Steyr 1992;
* Christian Hager: Die Eisenbahnen im Salzkammergut. Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1992;
* Vöcklabrucker Wochenspiegel: Sonderausgabe: 90 Jahre Atterseeverband, 1982;
* Vöcklabrucker Wochenspiegel: Sonderausgabe: 90 Jahre Atterseeverband, 1982;
* OÖ. Tagblatt 18.5.1978;
* OÖ. Tagblatt vom 18.5.1978;
* Hans Dickinger: Schöfling, 1988
* {{Vorlage: Heimatbuch Dickinger}}
 
[[Kategorie:Verkehr und Versorgung]]
[[Kategorie:Schörfling am Attersee]]
[[Kategorie:Lenzing]]

Aktuelle Version vom 18. Oktober 2022, 12:29 Uhr

Beginn der Chronik des Bahnhofes Kammer Schörfling, 1882.

Die Bahnlinie Vöcklabruck - Kammer-Schörfling wird von der Bevölkerung allgemein als Kammerer Hansl bezeichnet.

Daten

Länge 10,9 km, Spurweite 1435 mm, größte Steigung: 21,9 ‰, kleinster Bogenradius: 150 m, größte Radsatzlast: 22,5 t, Meterlast: 6,4 t.

Schon bald nach der Eröffnung der k.k. priv. Kaiserin-Elisabeth-Bahn von Wien nach Salzburg am 12. August 1860 bestand die Idee, zwischen der Westbahn und dem Attersee eine Bahnverbindung zu errichten. Besonders tatkräftig setzte sich die Familie Horvath, Schloss Kammer, ein.

Planung und Bau

Der alte Bahnhof Kammer Schörfling.

Um 1870 gab es die Idee, eine Salzkammergutbahn von Ried über Timelkam-Seewalchen-Kammer-Ischl zu bauen. Die Kohlenflöze des Hausrucks sollten mit den Ebenseer Salinen verbunden werden. Ziel war, den Kohleabsatz auszuweiten, Salz- und Holzverfrachtung zu erleichtern und den Fremdenverkehr zu fördern. Die Linienführung wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, die Trassenführung wurde über Attnang und Gmunden angeordnet.

Die I. Concessionierte–Attersee-Dampfschiffahrtsgesellschaft erlangte am 30. März 1880 die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine „Lokomotiv-Eisenbahn” von Kammer zum Anschluss an die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn).

Gräfin Ida gewann für das Bauvorhaben den Ingenieur und Baumeister Miroslav Ritter von Keißler, den Sohn des Erbauers der Westbahn, Karl Ritter von Keißler (1808-1879).

Keißler erhielt im Sommer 1881 die Concession zur Errichtung der k.k. priv. Lokalbahn Vöcklabruck-Kammer. Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau begonnen.
Die feierliche Eröffnung der Linie fand am 30. April 1882 statt. Für die Ehrengäste gab es eine Sonderfahrt von Wien nach Kammer, eine Rundfahrt am Attersee und ein Diner im Hotel Kammer.

Die Bahn hat eine Länge von 8,6 km, dazu kommen noch 2,3 km der Westbahnstrecke vom Bahnhof Vöcklabruck bis zur Abzweigung in Oberthalheim (km 250.53), die von der Kammerer Bahn mitbenutzt werden. Zur Sicherung der Fahrten wurde in der Abzweigung 1896 ein Stellwerk mit drei Signalmasten errichtet. Allerdings hatte man in die Künste des Weichenstellers nicht allzu viel Vertrauen. Eine Dienstanweisung aus jener Zeit schrieb vor, dass alle Züge des Kammerer Hansls vor dem Abzweigwechsel anzuhalten hätten, worauf sich die Zugmannschaft von der richtigen Stellung der Weichen überzeugen musste. 1902 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Westbahn. Das damals erneuerte Abzweigstellwerk wurde mit den Blockfeldern von der Fahrdienstleitung Vöcklabruck abhängig gemacht.

Privatbahn - Staatsbahn

Alte Fahrkarte vom Bahnhof Kammer Schörfling.

Die Kammerer Bahn blieb bis zum Jahr 1939 im Besitz der Familie Keißler. 1907 nahm der Staat die Lokalbahn in Pacht und zahlte an die Keißler-Erben jährlich 30.000 Kronen.

Am 1. September 1939 wurde die Bahn verstaatlicht.

Der Betrieb wurde von der Kaiserin Elisabeth-Bahn besorgt. Die Linie war vorerst dem k.k. Oberbetriebsamt in Salzburg unterstellt, ab August 1884 war die Eisenbahnbetriebsdirektion Linz zuständig. Ab 1907, dem Jahr der Aufnahme des Heizhausbetriebes in Attnang-Puchheim, erfolgte von dort der Lokeinsatz. Ab 1933 standen Dieseltriebwagen im Einsatz.

Am 29. Juni 1955 war die Elektrifizierung abgeschlossen.

Haltestellen

Haltestelle Siebenmühlen-Rosenau
Bereits Geschichte: Bahnhof Kammer-Schörfling

1884 wurden weitere Haltestellen in Siebenmühlen (ab 1990 Bezeichnung: „Siebenmühlen-Rosenau“), Pichlwang und beim alten Mauthaus in Timelkam errichtet.

Am 1. Jänner 1903 wurde die Haltestelle Lenzing in Betrieb genommen. Damals war die Höchstgeschwindigkeit mit 34 km/h festgelegt. Am 1. Mai 1909 erhielt der Bahnhof den Namen „Kammer-Schörfling”.

Am 12. September 1909 kam es zum ersten Unglück auf der Kammerer Bahn. Wegen schlechten Unterbaus entgleiste im Bahnhof Kammer die Lokomotive mit drei Waggons. Etliche Personen kamen zu Schaden.

Der Umbau der Haltestelle Lenzing zum Bahnhof erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Zellwollefabrik ab 1. Oktober 1939. Im Zuge der Elektrifizierung 1955 wurde die Haltestelle Lenzing Ort gebaut.

Ursprünglich war Kammer ein echter Seebahnhof, deren Gleis bis zum Ufer ging, wo man Waren auf das Schiff umladen konnte. Für den Stückgutverkehr wurde 1904 eine kleine Rollbahn errichtet.

Am 18. April 2014 fuhr zum letzten Mal ein Zug bis zum alten Bahnhof nach Kammer-Schörfling (beim Lagerhaus). Danach wurde der Bahnhof für immer geschlossen. In den Folgetagen wurden die Oberleitungen von der Agerbrücke bis zum alten Bahnhof entfernt. Im Juni 2014 wurde die neue Haltestelle an der Ager in Betrieb genommen. Im August 2018 wurden das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnwärterhaus abgerissen.

Neue Haltestelle Kammer

Juni 2014: der erste Zug rollte in die neue Haltestelle ein.

Am 6. Februar 2014 wurde in Kammer der Spatenstich zur Errichtung der neuen ÖBB-Haltestelle von Landesrat Reinhold Entholzer und Bgm. Gerhard Gründl durchgeführt.
Der Bahnhof Kammer wird aufgelassen und abgerissen, eine neue Haltestelle in der Nähe der Agerbrücke wird errichtet. Nun ist die Bahnstecke um 620 m kürzer und durch diese Maßnahme können 2 Eisenbahn-Kreuzungen aufgelassen werden. Insgesamt werden rund 17.000 m² an Liegenschaften frei, die ab 2015 zum Verkauf anstehen.
Mit einem Kostenvolumen von 4,5 Mio. Euro wurde ein neuer 100 m langer Bahnsteig errichtet, rund 200 m neue Gleise verlegt, ein Haltestellen-Wartebereich gebaut sowie 33 PKW-Parkplätze und 30 überdachte Fahrradplätze geschaffen.
Am 28. Juni 2014 um 10.50 Uhr rollte der erste Zug in die neue Haltestelle ein. Zahlreiche Besucher kamen zum Festakt, die Eröffnung nahm Landesrat Entholzer vor.

Video: Fahrt von Kammer-Schörfling bis nach Attnang-Puchheim

23 Minuten dauert die Fahrt mit dem Kammerer Hansl. Die gesamte Strecke können Sie hier im Video mitfahren.

Fahrplan in der Geschichte

1882 verkehrten auf der Kammerer Bahn täglich 6 Zugpaare:

ab Kammer: 	        5.58h	9.00h	11.35h	2.55h	5.05h	8.05h
ab Vöcklabruck: 	7.09h	10.25h	1.25h	4.15h	5.56h	9.12h

Später wurden die Züge bis Attnang-Pucheim und zum Teil bis Schwanenstadt geführt. Noch in den 1970-er Jahren wurde ein reger Personenverkehr (und Güterverkehr) festgestellt. Danach nahm die Bedeutung der Bahnline immer mehr ab.

Im Fahrplan 1990 verkehrten werktags neun Zugspaare zwischen Attnang und Kammer. Die Fahrzeit betrug ca. 25 Minuten von Attnang und ca. 18 Minuten von Vöcklabruck nach Kammer.

Der sogenannte „Stundentakt” 1991 (alle Stunde fährt ein Zug) brachte letztlich keinen wirtschaftlichen Erfolg.

Ab Herbst 2001 verkehrte nur mehr ein Zugspaar (in Kammer ab 7 Uhr), der sonstige Bedarf wurde durch Busse abgedeckt. Ab 2006 wurde die Zahl wieder erhöht.

2018 verkehrten auf der Kammerer Bahn an Werktagen 9 Zugpaare:

ab Kammer: 	   6.19h  7.12h  8.39h	 10.25h	 12.25h	 14.25h	16.25h  17.40h  19.25h
ab Vöcklabruck:    5.52h  6.52h  8.09h	  9.09h  11.09h	 13.24h 15.09h  17.09h  18.09h

Der Personenverkehr auf der Kammerer Bahn ist durch Verträge zwischen Land OÖ und den ÖBB bis 2019 gesichert.

Aktueller Fahrplan der ÖBB

Weblinks

Quellen

  • Christian Hager: Die Eisenbahnen im Salzkammergut. Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1992;
  • Vöcklabrucker Wochenspiegel: Sonderausgabe: 90 Jahre Atterseeverband, 1982;
  • OÖ. Tagblatt vom 18.5.1978;
  • Hans Dickinger: Geschichte von Schörfling, Marktgemeinde Schörfling am Attersee, 1988