Pfarrkirche Nußdorf

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Pfarrkirche Nußdorf
Altar in der Pfarrkirche Nußdorf

Die Pfarrkirche in Nußdorf am Attersee ist dem hl. Mauritius geweiht und gehört zum Dekanat Schörfling.

Geschichte

In einer agilolfingischen Schenkungsurkunde aus dem 6. Jahrhundert wird die Hofmark Nußdorf zum ersten Mal erwähnt. Die Höfe gehören schon vor der ersten Jahrtausendwende zum Benediktinerinnen-Kloster Nonnberg in Salzburg. Als in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts durch die Grafen von Raschenburg-Reichenhall das Frauenkloster Traunkirchen gegründet wird, hat dieses Kloster, neben dem Kloster Mondsee, das schon im 10. Jahrhundert in Zell am Attersee – Zelle – mit Rodungstätigkeiten begonnen hatte, auch in der Nußdorfer Gegend Grundbesitz.

Die Pfarre Nußdorf geht mindestens in das 14. Jahrhundert zurück. In der Reformationszeit wird die Pfarre aufgelöst und später von den Jesuiten von Traunkirchen aus als Predigerkirche betreut. Über 200 Jahre war Nußdorf keine katholische Pfarre. Die Zahl der Protestanten war trotz Gegenreformation wegen der einschichtigen Lage sehr hoch und ist es mit etwa 12% auch heute noch (Österreichdurchschnitt 5.5%). Unter Joseph II. wurde Nußdorf 1783 wieder als Pfarre eingerichtet. In Zell bei Nußdorf wird 1789 von der jungen evangelischen Gemeinde eine der ältesten Privatschulen Oberösterreichs errichtet.

Das gotische Kirchengebäude musste 1816-1818 wegen starker Bauschäden umgebaut werden. Der Altarraum blieb erhalten und der Turm wurde neu errichtet. Beide bestehen im Wesentlichen bis heute. Dem Brand von 1857, bei dem 14 Häuser im Ortskern vernichtet wurden, fiel auch der Pfarrhof mit allen alten Dokumenten zum Opfer, die Kirche blieb jedoch verschont. Nach zwischenzeitlichen Restaurierungen wurde die Kirche in den Jahren 1987/88 vom Architektenteam Nobel aus Linz grundlegend umgestaltet. Dabei wurde das Kirchenschiff wesentlich verbreitert und den liturgischen Erfordernissen des II. Vatikanischen Konzils angepasst. Am 2. Oktober 1988 erfolgte die Weihe durch den Diözesanbischof Maximilian Aichern.

Beschreibung

Der Aufbau des Hochaltares, gekennzeichnet durch Kreuz, Anker und Herz als Zeichen der drei göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe und gekrönt von der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit, stammt von einem unbekannten Künstler aus dem Jahre 1837. Das Altarbild zeigt den Heiligen Mauritius, dem die Nußdorfer Kirche geweiht ist. In einer römischen Soldatentracht hält er in der linken Hand die Palme der Märtyrer und stützt sich mit der rechten Hand auf sein Schwert. Da Mauritius üblicherweise als Mohr mit Fahne und Lanze dargestellt wird, mutet die Nußdorfer Darstellung ungewöhnlich an. Figuren der Heiligen Barbara und der Heiligen Katharina von Alexandrien stehen an der Rückwand links und rechts des Altares. An den Seitenwänden des Altarraumes stehen die Figuren der Eltern der Gottesmutter, der Heiligen Anna und des Heiligen Joachim.

Der Taufstein stammt noch von der mittelalterlichen Kirchenausstattung aus dem 15. Jahrhundert. Von der Linzer Künstlerin Ingrid Steiniger (1940-1998) wurden 1988 Volksaltar und Ambo geschaffen und als Symbole des Lebens mit rot-gold flammenden Motiven versehen.

Die alten, ornamental gestalteten Kirchenfenster, welche die Heiligen Wolfgang und Leonhard darstellen, wurden beim Umbau 1988 wiederverwendet. Sie stammen vom Rheinländer Josef Raukamp, der ab 1816 Direktor der Linzer Glasmalereianstalt war und unter anderem die Fenster des neuen Linzer Domes entwarf.

Über dem Chorbogen ist ein ausdrucksvolles Kruzifix angebracht dessen Korpus von einem unbekannten Meister vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Unter der Empore steht eine Statue des Guten Hirten mit Lamm und Hirtenstab. Sie krönte vor dem Umbau die Kanzel.

Im Kirchenschiff, links und rechts des Chorbogens, befinden sich die Märtyrer (nicht die Apostel) Johannes und Paulus. Das römische Brüderpaar wird gegen Unwetter, Hagel, Blitzschlag, Dürre und für schönes Wetter angerufen . Die Statuen stammen von einem unbekannten Meister des 18. Jahrhunderts. Rechts davon hängt ein Seitenaltarbild, welches den Heiligen Josef mit dem Jesuskind darstellt.

Marienbild

Marienbild

Überregionale Bekanntheit hat das Marienbild auf der linken Kirchenseite erlangt. Der Maler Emanuel Oberhauser verwendete ein Porträt von Emma Adler (1858-1935) als Modell für das Gesicht der Madonna. Sie war die Gattin von Victor Adler, dem Gründer der sozialdemokratischen Partei Österreichs. Das Ehepaar Adler verbrachte mehrmals ihre Sommerfrische in Parschallen. Dem Vorwurf, dass er eine "jüdische" Frau bzw. eine "Rote" (Sozialistin) abgebildet habe, konnte der Maler entgegnen, dass Maria selbst ja schließlich auch eine Jüdin gewesen sei. Als das Bild erstmals in der Kirche zu sehen war, reagierten die Einheimischen entrüstet, Des is ja d' Adlerin und net an Eichtel die Himmelmutter. Das Bild war anlässlich des 100-jährigen Bestehens der SPÖ 1989 in Wien ausgestellt.

Über die Jahreszahl der Entstehung des Bildes gibt es verschiedene Angaben. Im Kirchenführer scheint 1892 auf. Rosemary Pattenden, Professorin an der University of Cambridge, United Kingdom, hat eine Biographie über Greta Burkill (1896-1984) geschrieben. Mrs Burkill, verheiratet mit einem Master of Peterhouse, war die Tochter von Adolf Braun, einem der Brüder von Emma Adler. Nach den, in einer Bibliothek erhalten gebliebenen, aber nie gedruckten Erinnerungen von Emma Adler stammt das Bild aus dem Jahr 1887 als Emma Adler 33 Jahre alt war.

Spanische Orgel

Die alte Nußdorfer Orgel von 1890 wurde 1977 durch eine elektronische Orgel ersetzt, die auch nach dem Kirchenumbau 1988 noch zehn Jahre lang ihren Dienst tat. Der belgische Orgelbauer Patrick Collon baute von 1995 bis 1998 in seiner Manufacture d’orgues de Bruxelles eine neue Orgel für die Nußdorfer Kirche. Das schlichte, geradlinige Gehäuse besteht aus Eichenholz. Es sind 990 Pfeifen vertikal und horizontal, in den Kirchenraum gerichtet, eingebaut. Mit fünfzehn Registern, in Bass und Discant geteilt, einem Manual und einem angehängten Pedal ist die Orgel nach dem Vorbild der alten spanischen Orgeln aufgebaut und gilt in seiner Art als einmalig im deutschsprachigen Raum.

Friedhof

Die Kirche ist vom Ortsfriedhof mit der Aufbarungshalle umgeben. An der südseitigen Friedhofsmauer steht eine interessante Grabkapelle mit beschrifteten Totenschädeln und bemalten Reliefbildern (Geburt Christi, Flucht nach Ägypten - 1868). Sie gehört zum Ledererhaus der Familie Frank / Kölblinger.

Bildergalerie

Lage

Weblinks

Quelle

Fritz Göschl, Helmut Pachler, Franz Hauser: Attersee-Attergau - Porträt einer Kulturlandschaft, 2. Auflage AtterWiki 2013 (1. Auflage REGATTA 2003)

Lageplan

Nord: +47° 88' 22.72" / Ost +13° 52' 36.76" - Pfarrkirche Nußdorf am Attersee in Google Maps

Kapellen in Nußdorf am Attersee
WappenNussdorf.jpg
Bräu-Kapelle | Dickau-Kapelle | Dommerlbauer-Kapelle | Kölblinger-Kapelle | Leidner-Kapelle | Niedermayr-Kapelle | Schneiderbauer-Kapelle | Wastlmann-Kapelle | Wied-Kapelle