Gasthaus Hemetsberger
Das Gasthaus Hemetsberger, vulgo Müllner, in Steindorf, Gemeinde Seewalchen am Attersee, war ein typisches Gäuwirtshaus.
Geschichte
Als Eigentümer dieses Hauses scheinen seit 1857 die Familiennamen Gaubinger, Schwarzenlander, Plötzeneder und Hemetsberger auf. 1897 kam Maria Gaubinger in Steindorf 21 zur Welt. Ihre Eltern Franz, geboren 1857, und Theresia Gaubinger führten damals bereits eine Landwirtschaft mit einem Gasthaus. Maria Gaubinger heiratete Josef Schwarzenlander. Sie brachte Sohn Johann mit in die Ehe. Das Ehepaar bekam drei Söhne Ernst, Josef und Franz.
Beim Brand in Steindorf im April 1926 waren in Steindorf 21 Objekte betroffen. Auch das Anwesen von Maria und Josef Schwarzenlander wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es brannte nicht vollständig ab, weil ein Großteil des Hauses schon gemauert war.
Zur Landwirtschaft und zum Gasthaus kam - wahrscheinlich nach dem 1. Weltkrieg - noch eine Tabak-Trafik dazu. Im Gasthaus trafen sich die Menschen und bestellten meist Bier, das im Keller mit Eisblöcken gekühlt wurde. Gekochte Speisen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Es gab z.B. Fischkonserven, Würste und Bierkäse, und einmal im Jahr die sogenannte „Partie", meist mit Wild.
Josef Schwarzenlander starb im Jahr 1952 mit 49 Jahren. Seine Frau Maria führte mit den Söhnen sowohl die Landwirtschaft als auch das Gasthaus und die Trafik weiter. Auch das Ortstelefon wurde in den 1960er Jahren in diesem Haus installiert. Franz Schwarzenlander, der jüngste Sohn, geboren 1937, übernahm den Betrieb von seiner Mutter, die 1974 starb. Die Landwirtschaft wurde sukzessive aufgegeben.
Franz Schwarzenlander hatte eine Leidenschaft - Maschinen und Autos. Er kaufte sich schon sehr früh einen Bindermäher und war mit dem Mähdrescher als Lohnunternehmer unterwegs. Den Mähdrescher konnte er sich durch den Verkauf eines Waldes leisten. Franz Schwarzenlander war mit Maria Dullinger verheiratet, die 2014 starb.
1985 erwarb das Ehepaar Rudolf und Karin Hemetsberger das renovierungsbedürftige Haus. Für Karin, kaufmännische Angestellte, geboren 1953, wie auch Rudolf Hemetsberger, geboren 1939, Autoverkäufer, erfüllte sich ein Lebenstraum, Wirtsleute zu werden. 1986 legte Karin Hemetsberger die Konzessionsprüfung ab. Nach 1½-jähriger Umbauzeit wurde das Gasthaus „Zum Dorfwirt" 1987 wieder geöffnet, wie es im Februar 1988 im „Vöcklabrucker Wochenspiegel" zu lesen war. Das Gasthaus wurde fast neu aufgebaut. Küchenchefin war Karin Hemetsberger, Rudolf war im Service bei den Gästen.
lm Gasthaus traf man sich zum Stammtisch: Vereine, Feuerwehren, Jäger und Reiter aus Haining kehrten ein. Der Tourismusverband, bei dem Rudolf Hemetsberger Vorstandsmitglied war, vermittelte in den 1990er Jahren auch Busreisende aus der DDR. Beim Dorfwirt gab's Werbeveranstaltungen, Firmen- und Geburtstagsfeiern, Hochzeits- und Tauffeiern. Auf der Speisekarte stand Hausmannskost und die Wirtsleute luden auch zu Wildwochen und zum Heringschmaus ein. In den 1990er lahren engagierte sich Rudolf Hemetsberger im Vorstand des Fremdenverkehrsverbandes.
Beim Hagelunwetter im Jahr 2000 wurde das Dach schwer in Mitleidenschaft gezogen. 2002 wurde um ein Stockwerk aufgestockt und das Dach komplett erneuert. So erhielt das Gasthaus ein neues ErscheinungsbiLd. Tochter Irene und Sohn Rudolf entschieden sich fur andere Berufe. Als die Zeit der Pensionierung kam, schloss das Gasthaus am 30. Juni 2O12 nach 25 lahren.
Politische Aktivitäten
Rudolf und Karin Hemetsberger bekleideten vieLe Jahre lang öffentliche Ämter, Rudolf war unter anderem seit 1979 in der Gemeindevertretung, darunter auch 12 Jahre im Gemeindevorstand (2009 -2021). Von 1985 bis 2000 war er FPÖ-Ortsparteiobmann und von 20ll bis 2O2l Fraktionsobmann. Seine Gattin Karin war von 2015 bis 2021 Vizebürgermeisterin und von 2015 bis 2024 im Gemeindevorstand.
Quelle
- Nach einem Interview mit Rudolf und Karin Hemetsberger und Franz Schwarzenlander